Pflanze des Monats

Pater Gerhards Kräuterkolumne:

FETTHENNE / Sedum telephium – eine heimische Aloe?

 

 

sie gehört zur umfangreichsten Gattung in der Familie der Dickblattgewächse. Der deutsche Name Fetthenne bezieht sich zum einen auf die dickfleischigen Blätter und der Namensteil “Henne” kommt wohl von Henne und Küken und weist auf die  ungeschlechtliche Vermehrung der Pflanzen hin. Nun eigentlich sind wir auch nicht schlauer als zuvor. Die Blätter dienen als Wasserspeicher und machen die Pflanze zu einem Trockenheitsspezialisten, der auch auf steinigen und mageren Böden wächst. Der Name “Mauerpfeffer”, so wird unser Kraut und die gesamte „Verwandtschaft“ auch genannt, gibt einen Hinweis auf das Vorkommen – eben die Mauer – und auf den teilweise scharfen, würzigen Geschmack der Blüten und der Blätter.
Früher war die Rote Fetthenne ein Muss in Bauerngärten. Den ganzen Sommer bis in den
Spätherbst hinein trägt die sie ihre Blüten. Das Pflänzlein hatte vielerlei Bedeutungen: Auf’s Dach gepflanzt, sollten sie den Blitz abwehren. Das schnelle Welken im Garten galt als Zeichen für den baldigen Tod eines Menschen…
Als Heilpflanze wird sie ähnlich wie die Hauswurz und die exotische Aloe verwendet. Schon die frühzeitlichen Heiler Dioskurides und Plinius erwähnten die Rote Fetthenne als
Wundermittel. Man verwendet Fetthennen zum Heilen von Brüchen, bei  Hautentzündungen und verschiedenen Hautleiden. Innerlich eingenommen kann die Fetthenne gegen Vitamin-CMangel und Bluthochdruck helfen. In der Volksheilkunde wird Fetthenne hauptsächlich zur Wundheilung verwendet. Davon konnte meine Lieblingsoma aus dem Sudetenland ein Lied singen. Sie hatte einen grünen Daumen samt Mittelfinger und ist 93 Jahre alt geworden. Hier ihr Rezept: Bei allen Reizungen der Haut, Bläschen an der Lippe und auf der Zunge, bei Herpes, Gürtelrose oder der Trigeminus-neuralgie: der Betroffene knickt das Blatt an der Mittelrippe und kann so die deckende Hautschicht an der Fetthenne abziehen. Die reine Blattmasse, die an Aloe erinnert, legt man/frau auf die betroffenen Hautstellen. Dies wirkt kühlend und ist auch angenehm bei Sonnenbrand und Insektenstichen und heilt, lindert die Schmerzen ähnlich wie die edle und wahre „Aloe Vera“. Bei der Großmutter gab es auch immer wieder mal Kartoffelsalat mit Fetthenne, dafür wurden die Kinder geschickt, um diesen zu pflücken.
Allerdings ist diese Anwendung etwas umstritten, da Fetthenne als schwach giftig gilt. Ich gebe aber trotzdem einige Blätter in den Salat, wenn sie mir beim Kräutersammeln unterkommen.
Der Geschmack der Blätter einer roten Fetthenne ist mild, die Wurzeln haben einen scharfen Geschmack. Die Blätter schmecken saftig nach Gurke und können zur längeren Haltbarkeit auch in Öl eingelegt werden. Der frische Saft der Purpur-Fetthenne lässt sich wie Gurkensaft trinken. Anzumerken ist: Bei übermäßigem Genuss kann die Fetthenne Erbrechen auslösen.
Also: nicht zu viel davon futtern!
Eine andere Fetthennenart, der Scharfe Mauerpfeffer, hat kräftig gelbe Blüten und scharf
schmeckende, kleine, schmale Blätter, mit deren Saft Schwielen und Hühneraugen zum
Verschwinden gebracht werden können. Und die sukkulenten Sängel der Tripmadam, der
Felsenfetthenne, sind süßsauer eingemacht eine reizvolle Alternative zu Essiggürkchen und Co. Die feinen Triebspitzen sind wahre Vitaminspender. Die Deutung dieses Namens ist unsicher und wieder einmal süffisant: vielleicht stammt er aus dem Französischen – „tétin– madame“ und meint: „weibliche Brustwarze“?
Wenn “Blütenpflanzen für alle Fälle” gesucht wird, ist Fette Henne eine wunderbare Pflanze.
Arbeit und Pflege überfordert niemanden, selbst wenn im Garten schon eine Heerschar von anderer Grünkraft zu versorgen ist. Viel eher schon kann die Fette Henne bei der Planungunsres Gartens die Gedanken beanspruchen. Mit der Fetthenne können Gärten wunderbar herbstblühend gestaltet werden: sie gibt es in fast jeder vorstellbaren Blütenfarbe und Höhe, zumindest für alle Standorte, wo ein bodennaher oder etwas höherer flächiger Staudenbewuchs gewünscht wird.
Jetzt endlich sind auch alle Gärtner zufrieden gestellt. Aloe hin – Fetthenne her!

Gott befohlen und herzlichst – Euer Pater Gerhard.